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Heinz Erhardt
Bürgerlicher Name: Heinz Jacob Paul Erhardt
geboren: 20.02.1909 in Riga, Lettland (damals Russland)
verstorben: 05.06.1979 in Hamburg-Wellingsbüttel
Biografie

Heinz Erhardt wird 1909 in Riga geboren und zwar, wie er gerne sagte, zweimal; am 07. Februar nach russischer und am 20. Februar nach hiesiger Zeitrechnung.

„Im Datum, das muss man den Russen lassen, waren sie uns entschieden voraus!“

Seine Mutter Alice Neldner und sein Vater Gustav Erhardt trennen sich kurz nach der Geburt ihres Sohnes.

Gustav Erhardt tourt als Kapellmeister durch die Städte des Deutschen Kaiserreichs; seine Mutter zieht ins damalige Petrograd (später Leningrad, heute St. Petersburg).

Heinz Erhardt wächst bei Paul und Henriette Neldner auf, seinen Großeltern mütterlicherseits. Die Familie gehört zur Minderheit der sogenannten Baltendeutschen. Sein Großvater besitzt ein Musikgeschäft in Riga.

Seine Eltern „entführen“ den kleinen Heinz in den ersten Lebensjahren ständig, in der Regel, um Heinz den neuen Lebenspartnern der Eltern vorzustellen.

Alice Neldner heiratet und holte 1916 ihren Sohn zu sich nach Petrograd. Doch schon nach kurzer Zeit geht es wieder zurück nach Riga, wo Heinz Erhardt schließlich eingeschult wird.

Von 1919 bis 1924 lebt Heinz Erhardt bei seinem Vater in Osnabrück und in Hannover. Er fühlt sich in dieser Zeit nie richtig wohl, auch weil er mit seiner Stiefmutter nicht gut zurecht kommt, die nur neun Jahre älter ist, als er. Mit 15 Jahren kehrt er nach Riga zurück.

Im Musikgeschäft seines Großvaters soll Heinz Erhardt mithelfen. Statt Instrumente zu verkaufen, spielt er jedoch selber auf diesen. Sehr zum Ärgernis seines Großvaters.

Mit 20 Jahren taucht Heinz Erhardt trotz seiner Schüchternheit ins gesellschaftliche und kulturelle Leben Rigas ein. Erste Auftritte folgen in den bei den Baltendeutschen beliebten Kaffeehäusern „Schwarz“ und „Reiner“.

Im Frühjahr 1934 trifft Heinz Erhardt die Liebe seines Lebens, sein „Zipchen“. Gilda Zanetti (1913-1987) ist die Tochter des italienischen Konsuls in St. Petersburg und an jenem Tag im gleichen Fahrstuhl unterwegs. Nachdem die beiden in der untersten Etage des Hauses in den Fahrstuhl eingestiegen sind, fasst er sich ein Herz und spricht sie mit den Worten an: „Wollen Sie auch nach oben?“

Heinz Erhardt und Gilda Zanetti bekommen vier Kinder; Grit (1936-2016), Verena (*1940), Gero (*1943) und Marita (*1944).

Im September 1939 beginnt mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg. Auch Heinz Erhardt erhält seinen Gestellungsbefehl und wird eingezogen, jedoch bleibt ihm ein Einsatz an der Front erspart.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt Heinz Erhardt für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) zu arbeiten. Er möchte sich mit seiner Familie in Hamburg niederlassen, doch der Wohnraum ist durch die Kriegshandlungen begrenzt. Vermieter werden dazu verpflichtet, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Erhardts kommen bei der Familie Struwe unter. Herr Struwe ist überhaupt nicht davon begeistert, dass er seinen Wohnraum teilen muss. Es dauert nicht lang, bis die ersten Streitigkeiten beginnen. Heinz Erhardt ist klar, hier müssen wir schnell wieder raus.

In der Straßenbahn bekommt Heinz Erhardt ein Gespräch zweier Passanten mit. Der eine möchte mit seiner Familie nach Amerika auswandern und sucht einen Mieter für sein Haus. Daraufhin dreht sich Heinz Erhardt um, tippt dem Herren auf die Schulter und sagt: „Hier bin ich.“

Im Fasanenhain 9 im Stadtteil Wellingsbüttel finden die Erhardts dauerhaft ihre neue Heimat. Von Juli 1948 bis 1952 wohnen sie hier zur Miete; dann erwerben sie die Immobilie.

In den folgenden Jahren macht sich Heinz Erhardt bundesweit mit den „Bunten Abenden“ einen Namen. Das Konzept solcher Veranstaltungen war ein Mix aus Gesangs-, Musik- und Tanzeinlagen, Sketchen und Stand-Up.

Mit Der müde Theodor ist Heinz Erhardt dann 1957 im Filmgeschäft angekommen. Wenn auch immer ein wenig wider Willen. Seine Bühnenauftritte und Conferencen liegen ihm immer ein Stück mehr, da er die persönliche Interaktion und das unmittelbare Feedback seiner Zuschauer braucht. Mit den Kino-, und später den Fernsehproduktionen steht er dagegen immer etwas auf Kriegsfuß. In seine Tagebücher schreibt er nach Ende der Dreharbeiten oft sinngemäß Sätze wie „Was haben wir da bloß nur wieder für einen Schwachsinn gedreht…“.

Im September 1957 feiert der Film Witwer mit fünf Töchtern Premiere. Mit diesem Film gelingt Heinz Erhardt der große Durchbruch im Filmgeschäft. Gleichzeitig etabliert sich der Typus, auf den Heinz Erhardt für den Rest seines Lebens gebucht sein sollte: Der treue, gutmütige, etwas schusselige „Onkel von nebenan“.

1960 gründet Heinz Erhardt die Firma „Heinz Erhardt Produktion“, die unter anderem Werbefilme produziert. Unter dieser Produktionsfirma entstehen Anfang der 1960er mehrere kleine Kurzfilme (ca. 40 Minuten), mit Heinz Erhardt in der Hauptrolle.

Ab Mitte der 1960er wirkt Heinz Erhardt in mehreren Kino- und Fernsehproduktionen mit, ohne jedoch eine der Hauptrollen zu übernehmen. Unter diesen Produktionen befinden sich Filme wie die Sexklamotten Otto ist auf Frauen scharf und Warum hab ich bloß 2x ja gesagt?, bei denen man sich fragen muss, warum Heinz Erhardt sich zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere noch für so was her gibt. Aber er bleibt sich auch hier treu, spielt seinen Part stets einfach unnachahmlich und bildet immer eines der wenigen Lichtpunkte der Produktionen.

Seinen größten Erfolg feiert Heinz Erhardt mit dem Bühnenstück Das hat man nun davon. Es basiert auf dem Lustspiel „Wem Gott ein Amt gibt“ von Wilhelm Lichtenberg und wurde von Heinz Erhardt überarbeitet. In über 700 ausverkauften Vorstellungen bundesweit verkörpert Heinz Erhardt den Finanzbeamten Willi Winzig. Das Stück ist komplett auf Heinz Erhardt zugeschnitten. Er ist die zentrale Figur, Lacher, Gags und Witze gehen so gut wie komplett von ihm aus und seine Schauspielkollegen fungieren eher als Stichwortgeber.

In den Jahren 1970/1971 dreht Heinz Erhardt in Zusammenarbeit mit Horst Wendlandt die vier sogenannten „Willi-Winzig-Filme“, auch wenn er nur in zweien dieser Filme diesen Namen tatsächlich trägt. Der erste Film Was ist denn bloß mit Willi los? ist dabei die Kinoadaption seines vorgenannten Bühnenstücks Das hat man nun davon. Die folgenden Filme bauen inhaltlich nicht darauf auf und haben eine eigenständige Handlung.

Am 11. Dezember 1971 erleidet Heinz Erhardt einen Schlaganfall, von dem er sich leider zeitlebens nicht mehr erholen soll. Die Krankheit raubt ihm seine Lebensgrundlage, sein wichtigstes Arbeitsmittel und Werkzeug; seine Sprache. Zwar kann er weiterhin lesen und alles verstehen, was seine Mitmenschen sagen. Jedoch kann er ab sofort weder sprechen noch schreiben.

Heinz Erhardt zieht sich ins Privatleben zurück und tritt für den Rest seines Lebens kaum noch in die Öffentlichkeit.

Ab Ende 1978 steht Heinz Erhardt dann doch noch mal vor der Kamera. Sein Sohn Gero, sein Schwiegersohn Jürgen Haacker und er schreiben das Drehbuch für die Verfilmung seiner komischen Oper, die er bereits in den 1930ern verfasste. Zahlreiche Freunde und Weggefährten übernehmen eine Rolle in der Produktion Noch 'ne Oper. Heinz Erhardts Stimme aus früheren Hörfunkaufnahmen ist zu hören, er selbst hat einen kurzen Gastauftritt ohne Text. Der Film hat am 21. Februar 1979 im ZDF Premiere, einen Tag nach seinem 70. Geburtstag.

Am 01. Juni 1979 wird Heinz Erhardt das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Vier Tage später, am 05. Juni 1979, stirbt Heinz Erhardt in seinem Haus in Hamburg-Wellingsbüttel.

Weiterführende Links:
Internet Movie Database

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Filmliste
Nr. Jahr Filmname Rollenname Synchronsprecher Bild
1. 1949 Gesucht wird Majora
(auch wirken mit:)
Pianist  
2. 1950 Was macht wer falsch? Off-Sprecher  
3. 1950 Liebe auf Eis Wurstfabrikant Meyer  
4. 1955 Drei Tage Mittelarrest Schreiber Zippert  
5. 1956 Ich und meine Schwiegersöhne Nervenarzt  
6. 1956 Die gestohlene Hose Ferdinand Kofler  
7. 1956 Mädchen mit schwachem Gedächtnis Albert Locker  
8. 1956 3 Bayern in Berlin Herr Lemke  
9. 1957 Der müde Theodor Theodor Hagemann  
10. 1957 Witwer mit 5 Töchtern Friedrich Scherzer  
11. 1958 Immer die Radfahrer Direktor Friedrich 'Fritz' Eilers  
12. 1958 So ein Millionär hat's schwer Alfons Rappert  
13. 1958 Vater, Mutter und neun Kinder Friedrich Schiller  
14. 1959 Der Haustyrann
(als 'Heinz Erhard')
Fürchtegott Friedlieb Paul Perlacher  
15. 1959 Natürlich die Autofahrer Eberhard Dobermann  
16. 1959 Drillinge an Bord Heinz, Otto und Eduard Bollmann  
17. 1960 Der letzte Fußgänger Gottlieb Sänger  
18. 1961 Kauf dir einen bunten Luftballon Knapp, Theaterdirektor  
19. 1961 Mein Mann, das Wirtschaftswunder Paul Korn  
20. 1961 Ach Egon! Egon Kummer  
21. 1961 Geld sofort Vertreter Zatke  
22. 1961 Abenteuer in Norfolk John Arthur Smith  
23. 1961 Drei Mann in einem Boot Georg Nolte  
24. 1961 Freddy und der Millionär John Stone  
25. 1962 Willi Winzig Willi Winzig  
26. 1962 Der Kurpfuscher Heinrich Zunzer aka 'Herr Zyprian'  
27. 1962 Die Post geht ab Walter Eberhardt  
28. 1962 Axel Munthe - Der Arzt von San Michele
(als 'Heinz Ehrhardt')
Arturo Brunoni  
29. 1962 Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett Konsul Otto Keyser  
30. 1962 Eine gewisse Marietta Gottlieb Vogel  
31. 1962 Der Fachmann Otto  
32. 1963 Ein ruhiges Stündchen Heinrich Wende  
33. 1963 Apartmentzauber
(und)
Waldemar Fischer  
34. 1964 Die große Kür
(und)
Eberhard Traugott  
35. 1964 Wenn man baden geht auf Teneriffa
(und)
Tristan Wenzel  
36. 1965 Der Ölprinz
(und als Kantor Hampel)
Kantor Hampel  
37. 1966 Das Vermächtnis des Inka Professor Morgenstern / Oberst Glotino  
38. 1966 Das gewisse Etwas der Frauen
(sowie)
Marcel  
39. 1967 Aktien und Lorbeer
(mit)
Vizebankdirektor Alfred Josef McLaughlin  
40. 1967 Die Witzakademie
(Folge 2)
Gastdozent  
41. 1968 Die Landstreicher Eberhard Puhvogel  
42. 1968 Otto ist auf Frauen scharf Prof. Klemke  
43. 1969 Charley's Onkel Vertreter  
44. 1969 Warum hab ich bloß 2x ja gesagt? Weichbrodt  
45. 1969 Klein Erna auf dem Jungfernstieg Onkel Fritz  
46. 1970 Die Herren mit der weißen Weste Heinrich Scheller  
47. 1970 Was ist denn bloß mit Willi los?
(in)
Willi und Otto Winzig  
48. 1970 Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern Willi Hirsekorn  
49. 1971 Das hat man nun davon Willi Winzig  
50. 1971 Der Opernball Césare Beaubuisson  
51. 1971 Unser Willi ist der Beste
(in)
Willi Winzig  
52. 1972 Willi wird das Kind schon schaukeln
(in)
Willi Kuckuck  
53. 1979 Noch 'ne Oper
(von und mit)
Mann auf der Parkbank  
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Weitere Mitwirkungen
 
Musik
Jahr Titel Kommentar
1957 Witwer mit 5 Töchtern
1979 Noch 'ne Oper

Drehbuch
Jahr Titel Kommentar
1971 Das hat man nun davonbearbeitet von...
1979 Noch 'ne Oper

Autor
Jahr Titel Verlag Land
2008 Heinz Erhardt - Alles Liebe! Lappan Deutschland
2018 Heinz Erhardt - Alles Liebe! Lappan Deutschland
2001 Heinz Erhardt - Das große Heinz Erhardt Buch Fackelträger Deutschland
Heinz Erhardt - Das große Heinz Erhardt Buch Fackelträger Deutschland
2003 Heinz Erhardt - Das große Heinz Erhardt Buch Wilhelm Goldmann Verlag Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Der große Heinz Erhardt Lappan Deutschland
2015 Heinz Erhardt - Die Gedichte Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Ein Nasshorn und ein Trockenhorn Lappan Deutschland
2011 Heinz Erhardt - Es war einmal ein buntes Ding - Gedichte für Kinder edelkids GmbH Deutschland
2008 Heinz Erhardt - Hauptsache gesund! Lappan Deutschland
2018 Heinz Erhardt - Hauptsache gesund! Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Hinter eines Baumes Rinde... - Gedichte für Kinder Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Klassisches, Satierliches, Besinnliches Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Männer! Lappan Deutschland
2018 Heinz Erhardt - Männer! Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Nachdem ich mich hier versammelt habe... edel entertainment GmbH Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Noch'n Buch Lappan Deutschland
2011 Heinz Erhardt - Noch'n Gedicht Lappan Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Noch'n Heinz Erhardt Lappan Deutschland
2008 Heinz Erhardt - Ritter Fips Lappan Deutschland
2010 Heinz Erhardt - Seine Lieder - Für Gesang und Klavier G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH Deutschland
2002 Heinz Erhardt - Unvergeßlicher Heinz Erhardt Rowohlt Deutschland
1980 Heinz Erhardt - Unvergeßlicher Heinz Erhardt - Heiteres und Besinnliches Rowohlt Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Unvergeßlicher Heinz Erhardt - Heiteres und Besinnliches Rowohlt Deutschland
2008 Heinz Erhardt - Viel Glück! Lappan Deutschland
2005 Heinz Erhardt - Von der Pampelmuse geküßt - Gedichte, Prosa, Szenen Reclam Deutschland
2009 Heinz Erhardt - Warum die Zitronen sauer wurden - Gedichte für Kinder Lappan Deutschland
1997 Heinz Erhardt - Warum die Zitronen sauer wurden... - Das Neueste vom HeinziWurm One Way Verlag GmbH Deutschland
2012 Heinz Erhardt - Was wär ein Apfel ohne sine Lappan Deutschland
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